Interview im Wiesbadener Tagblatt, 13. November 2012

Serie Teil 2, Dienstag, 13. November 2012

 

„Wer sich vor dem Tod verneigt, wird wesentlich“

 

Die Astrologin und Heilpraktikerin Anette Rapp berät Trauernde

 

Wiesbaden. Anette Rapp studiert nach dem Abitur Sozialpädagogik an der Katholischen Fachhochschule in Mainz. Parallel dazu absolviert sie eine Astrologie-Ausbildung. Während des Studiums macht sie ein dreimonatiges Praktikum im Orden von Mutter Teresa in Kalkutta, betreut dort behinderte Kinder. Diese Erfahrung ist für sie prägend, entfacht in ihr das Interesse an der geistigen Welt.

Für ihre Diplomarbeit wählt sie das Thema: »Tod und Sterben aus anthroposophischer Sicht« - für sie ist heute die Wahl dieses Themas wie eine Vorbereitung auf den Tod ihrer kleinen Tochter. Diese fällt beim Spielen auf den Kopf und erleidet tödliche Verletzungen. Die kollegialen Reiki-Behandlungen und viele liebevolle Erfahrungen mit Anteil nehmenden Menschen sind für sie eine große Kraftquelle. Die Mutter von einem Sohn und einer Tochter ist seit 2001 Reiki-Meisterin und Channelmedium; den Heilpraktiker für Psychotherapie schließt sie im April 2013 ab.

 

In ihrer Praxis für Astrologie und Heilarbeit bietet die 47-Jährige auch qualifizierte Beratung für Trauernde an.

 

 

  1. Frau Rapp, Sie sind selbst betroffen vom Tod eines Kindes -

Ist das Akzeptieren des Todes möglich?

 

Ja, aus meiner Erfahrung ist es möglich. Allerdings hat diese Einstellung mit meinem ganzen Weltbild zu tun. Der Tod bedingt das Leben und umgekehrt, obwohl es den Tod in dem Sinne, wie wir ihn gelehrt bekommen, aus geistiger Sicht gar nicht gibt.

Auch kann ich sagen, dass der Tod meiner Tochter Mirjam und die damit verbundenen Erfahrungen mich dem Leben näher gebracht haben.

 

 

  1. Wie alt möchten Sie werden? Mit /ohne Bedingungen?

 

Ich sehe mich mit 88 Jahren – stelle keine Bedingungen, sondern tue etwas dafür, dass ich geistig und körperlich gesund bleibe. Ungleichgewichte im Leben nehme ich als Botschaft an, versuche diese zu entschlüsseln und danach zu handeln – damit diese Ungleichgewichte nicht auf der Körperebene auf sich aufmerksam machen (müssen).

 

 

  1. Kennen Sie einen Menschen, der in Bezug auf seinen Sterbeprozess und Tod für Sie Vorbild ist?

 

Meine Tai Chi-Lehrerin ist Vorbild für mich. Sie hat mit über 80 Jahren noch mit Leib und Seele unterrichtet und ist während des Unterrichts friedlich gestorben: ihr war plötzlich etwas unwohl, sie musste sich hinsetzen, hat sich dann hingelegt und ist gestorben.


  1. Glauben Sie, dass man Einfluss auf seine Todesart hat?

 

Genau weiß ich das natürlich nicht, aber wenn ich mein astrologisches Wissen und meinen geistigen Ansatz konsequent zu Ende denke, muss ich diese Frage bejahen, weil ich glaube, dass – wenn unser irdisches Dasein erfüllt ist, die Seele sich aus dem Körper zurückziehen möchte und dafür einen Weg sucht. Die Art und Weise können wir dann insofern beeinflussen, wie wir unsere Lebensthemen integrieren konnten, wie bewusst oder unbewusst wir mit unseren Energien umgehen konnten. Allerdings denke ich, dass es vielleicht nur bei einigen wenigen spirituellen Meistern ein ganz bewusster Prozess ist.

 

 

  1. Was wäre für Sie ein guter Tod / gutes Sterben?

 

In meinem Bett zu sterben! Mein Bett ist mein heiliger Ort, dort sammle ich Kraft.
Gerne würde ich mich irgendwann, wie nach einem langen erfüllten Tag, müde ins Bett legen und sagen können, so jetzt ist es gut … und einschlafen.

 

 

  1. Wie stehen Sie zu Freitod und Sterbehilfe?

 

Beides kann ich akzeptieren. Zu Freitod denke ich – wie groß muss die Verzweiflung sein, diesen Schritt zu tun... Mir würde ein solcher Schritt schwer fallen, mein Lebensmut ist sehr stark. Auch weil ich immer wieder erleben konnte, dass es nach der tiefsten Nacht doch wieder hell wurde…

Wenn jemand den Wunsch nach Sterbehilfe klar artikuliert und diesem nicht stattgegeben wird, finde ich das unmenschlich.

 

 

  1. Sind Sie bereit, nach Ihrem Tod Ihre Organe zu spenden?

 

Das weiß ich im Moment nicht zu sagen. Als meine kleine Tochter gestorben ist, wurde uns diese Frage von den Ärzten gestellt. Das kam zu überraschend, wir waren damals mit einer solchen Entscheidung überfordert.

Aus spiritueller Sicht ist das Thema Organspende zweischneidig: Auch aus meiner Beschäftigung mit der Anthroposophie zum Thema Tod und Sterben, weiß ich, dass die Seele Zeit braucht, sich in Frieden aus dem Körper zu lösen. Und auch dass die Angehörigen ihre Zeit brauchen, sich wirklich verabschieden zu können. Von daher gefällt mir der Gedanke, die Toten drei Tage aufgebahrt zu haben, wie es ja auch heute noch in manchen Kulturen üblich ist.

 

  1. Haben Sie Wünsche und Ideen zu neuen Bestattungsritualen   …?

 

Menschen, die bewusst mit Sterben und Tod umgehen können, sollen die Möglichkeit haben, so von einem Toten Abschied zu nehmen, wie es ihnen selbst und dem Verstorbenen entspricht.

Heute würde ich meine Tochter mit nach Hause nehmen wollen, um in diesem vertrauten Raum mit der Familie und den Freunden von ihr Abschied zu nehmen

– wobei es mir wichtig ist zu sagen, dass wir damals im Krankenhaus sehr liebevoll unterstützt wurden und auch der Bestatter auf meine Wünsche eingegangen ist.

 

 

  1. Carlos Castaneda sagt, der Tod geht seit unserer Geburt an unserer linken Seite – was löst diese Vorstellung in Ihnen aus?

 

Diese Vorstellung löst in mir nichts Unangenehmes aus – ja, der geht wie ein Freund neben mir her. Mal ist er mehr, mal weniger präsent, manchmal habe ich Angst vor ihm und manchmal ist er wie ein Freund, der mir über die Schulter flüstert und mir eigentlich zeigt, wie schön das Leben in seiner Tiefe und Ganzheit ist. Mir wird bei dieser Vorstellung immer wieder auch bewusst, was für ein großes Geschenk es ist, hier sein zu dürfen und wie dünn das Fädchen ist, das uns zwischen hier und dort trennt. Es ist eine Art Ehrfurcht und Achtung vor dem Leben.

 

 

  1. Die beste Vorbereitung auf den Tod ist…..

 

…ihn als Bestandteil des Lebens anzunehmen. Und den Tod nicht als das totale Ende zu fürchten, sondern als einen Übergang. Wir verlassen ja nur unseren Körper. Das Leben geht weiter, die Energie geht nicht verloren. Eigentlich gibt es gar keinen Tod.
Vielleicht auch: ein erfülltes Leben zu leben in dem Sinne, den eigenen „Lebensauftrag“ erfüllt zu haben.

 

 

 



 

 

 

 

 

 

Anette Rapp - Praxis für Astrologie und Heilarbeit - Wiesbaden
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